
Autor:
Martina Miethig
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Business im Delta. Affenbrücken. Olfaktorisches. Brav gewordene Puffschiffe. Ein Rest von Zweifeln. Und Peking-Opern in allen Hütten. Ein Reisebericht aus Indochina.
Der "Highway No. 1" von Phnom Penh nach Vietnam ist streckenweise nicht mehr da, vom Mekong einfach weggespült. Oft stecken wir fest zwischen halbmeterhoch in den Boden gefrästen Schlammfurchen. Unentwirrbar verkeilt mit Ochsenkarren und russischen Tanklastern, unter Schweinen und Hühnern begrabenen Mofas. Dazwischen Mönche und fliegende Händlerinnen mit Suppenküchen.
Mal fliegen wir mit 80 Sachen und Dauerhupen durch die Schlaglöcher schräg unterhalb der kambodschanischen "Autobahn". Gleich heben wir ab. Ich bin nicht das erste Mal in Asien, aber das erste Mal angeschnallt. Die Kambodschanerin hinter mir kotzt in meine Ikeatüte. Als sich unser Toyota-Fahrer dann auch noch den eigenen Sitz mit einem zusteigenden (neunten) Fahrgast teilt, ist meine Wiedergeburt nah. So Buddha will. Ich werde mit einem Schlag (-loch) gläubig und erleuchtet: Es gibt in Kambodscha keine Roten Khmer mehr. Aber Kamikaze-Fahrer.
Beim südvietnamesischen Tuc Dup begegne ich den Kambodschanern wieder. Unübersehbar sind die vielen rot karierten Krama-Schals und die wuchtigen Khmer-Tempeltürme, die zerzausten Zuckerpalmen, die sinnlich geschwungenen Lippen der Mädchen (und Männer) und die am Straßenrand hockenden Grüppchen beim Nichtstun.
Doch keiner der Alten und Mönche, die wir ansprechen, kann ein Wort Vietnamesisch! Das Mekongdelta ist für viele Khmer noch heute Kampuchea Krom, das "untere Kambodscha". Die Länder fließen buchstäblich ineinander. Alles andere als fließend sind die Mentalitätsunterschiede beider Völker: In Grenznähe leben die als lethargisch geltenden Khmer.
Mein junger, eifrig Deutsch radebrechender Reiseführer Tan aus Saigon schleppt mich tagelang durchs Delta-Touristen-Programm: 9 Uhr Reispapierfabrik. 10 Uhr Ziegelbrennerei. 10.30 Uhr Bonsaipflanzerei.
Danach zum Litschibauern, zur Kokosnuss-Insel, zum Fledermaus-Tempel, zu Schlangenfarm und Puffreisfabrik, Räucherstäbchenhersteller. Wichtig dabei: immer schön lächeln, einen Jasmintee nach dem andern genießen, immer ein kleines Kostprobensouvenir oder Poster kaufen.
Dann die berühmten Schwimmenden Märkte: Über Can Thos Cai-Rang-Markt knattern morgens um 7 Uhr schon mehr Langnasen mit Videokameras als pittoreske Sampans. Die Vietnamesen sind fleißig und geschäftstüchtig. Das lebendig-brodelnde Delta ist Paradebeispiel für den wirtschaftlichen Aufbruch am Mekong: Im Süden verdient ein Vietnamese 60 Dollar im Monat, das Doppelte der Durchschnittsgenossen im Rest des Landes, ganz zu schweigen von den Landesnachbarn. Vietnam verdrängte den einstigen Erzfeind USA von Platz 2 der Weltexportliste für Reis. Auch eine Art asiatisches Wirtschaftswunder.


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